In dieser Folge sprechen wir mit Sofia Fauser von Raiffeisen Schweiz über die Neugestaltung des Welcome Days. Statt möglichst viele Informationen an einem Tag zu vermitteln, stehen heute Austausch, Vernetzung und gemeinsames Erleben im Mittelpunkt. Wir reflektieren gemeinsam den Prozess, wie aus mehr als 250 PowerPoint-Folien ein spielerisches Entry Game mit verschiedenen Stationen, mehreren Sprachen und einem gemeinsamen Finale entstanden ist, welche Erfahrungen die ersten Durchführungen gebracht haben und warum ein guter Einführungstag weit mehr sein kann als Onboarding. Außerdem geht es um die Frage, wie Lernen in Organisationen künftig aussehen kann: weniger reine Wissensvermittlung, mehr Orientierung, Austausch und Lernen genau dann, wenn es gebraucht wird.
Ein Einführungstag ist mehr als eine organisatorische Pflichtveranstaltung. Er prägt, wie neue Mitarbeitende ihre Organisation zum ersten Mal erleben. Bei Raiffeisen Schweiz war genau das der Ausgangspunkt für die Überarbeitung eines Formats, das über viele Jahre gewachsen war.
Der bisherige Einführungstag sollte neue Mitarbeitende mit allen wichtigen Informationen versorgen. Mit der Zeit kamen immer mehr Fachbereiche und Präsentationen hinzu. Am Ende stand ein Tag mit sehr vielen Inputs und PowerPoint-Folien. Inhaltlich war vieles relevant, zugleich blieb wenig Raum für Austausch, Vernetzung und ein gemeinsames Erleben der Organisation.
Von Information zu Erfahrung
Die zentrale Frage lautete deshalb nicht, welche weiteren Inhalte noch ergänzt werden sollten. Zunächst ging es um Reduktion. Mehr als 250 PowerPoint-Folien wurden zusammengetragen und daraufhin betrachtet, welche Kernbotschaften tatsächlich am ersten Tag vermittelt werden müssen.
Dabei wurde deutlich, dass nicht jede Information im gemeinsamen Raum ihren Platz braucht. Themen wie Cyber Security, Gebäudesicherheit oder andere Grundlagen lassen sich auch über ein E-Learning bereitstellen. Dort bleiben sie zudem dauerhaft verfügbar und können später erneut aufgerufen werden. Der Einführungstag selbst bekommt dadurch eine andere Funktion: Er schafft Raum für Begegnung und Zusammenarbeit.
Diese Verschiebung verändert den Charakter des Onboardings. Wissen wird nicht mehr möglichst vollständig an einem Tag vermittelt. Stattdessen entsteht eine Kombination aus jederzeit zugänglichen Informationen und einem gemeinsamen Erfahrungsraum vor Ort.
Zusammenarbeit vom ersten Tag an
Für Raiffeisen Schweiz war besonders wichtig, das bereichsübergreifende Miteinander stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Hinzu kommt die Mehrsprachigkeit der Organisation. Mitarbeitende aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz sollten nicht länger in getrennten Formaten starten, sondern gemeinsam.
Das neue Format arbeitet deshalb mit kleinen Gruppen, Aufgaben und Stationen. Die Teilnehmenden müssen Informationen teilen, gemeinsam Lösungen entwickeln und sich gegenseitig unterstützen. Auch unterschiedliche Sprachen sind bewusst Teil dieses Settings. In einem begleitenden Handbuch sprechen beispielsweise verschiedene Figuren unterschiedliche Landessprachen. Damit befindet sich nicht immer dieselbe Person in der Rolle derjenigen, die sprachlich folgen oder Unterstützung suchen muss.
Am Ende werden die Ergebnisse der Kleingruppen wieder zusammengeführt. Erst wenn alle ihren Teil beitragen, kann die gemeinsame Abschlussaufgabe gelöst werden. Aus einzelnen Gruppen entsteht so noch einmal ein gemeinsamer Moment für alle Teilnehmenden.
Organisationskultur nicht erklären, sondern erlebbar machen
Aus Sicht der Organisationsentwicklung liegt darin ein wesentlicher Unterschied. Zusammenarbeit muss nicht nur beschrieben werden. Sie kann bereits beim Einstieg erfahrbar sein.
Wenn eine Organisation über bereichsübergreifenden Austausch, Vernetzung und gemeinsames Arbeiten spricht, entsteht schnell eine abstrakte Erwartung. Im neuen Einführungstag werden genau diese Elemente in konkrete Situationen übersetzt. Neue Mitarbeitende erleben, wie es ist, mit unbekannten Personen zusammenzuarbeiten, Perspektiven zusammenzubringen und sprachliche Unterschiede gemeinsam zu überbrücken.
Damit wird Onboarding zu einem frühen Erfahrungsraum für die Art der Zusammenarbeit, die auch später im Alltag relevant sein soll.
Wenn Verbindungen über den Tag hinaus bestehen
Die Rückmeldungen aus den ersten Durchführungen geben Hinweise darauf, dass dieser Ansatz trägt. Teilnehmende beschrieben insbesondere den bereichsübergreifenden Austausch, die Motivation für den Einstieg und die Begegnung über Sprachgrenzen hinweg als positiv. Gerade diese Punkte waren zuvor als Ziele des Redesigns formuliert worden.
Interessant wird die Wirkung dort, wo sie den Einführungstag überlebt. Mehrere Monate nach einer Durchführung trafen sich Teilnehmende aus unterschiedlichen Bereichen weiterhin informell zum Austausch. Die Verbindung war während des Onboardings entstanden und hatte sich danach eigenständig fortgesetzt.
Solche Beobachtungen lassen sich nur begrenzt in Kennzahlen übersetzen. Sie zeigen jedoch, dass Onboarding einen Beitrag zur Organisationsentwicklung leisten kann, wenn es nicht nur Wissen vermittelt, sondern Beziehungen, Zusammenarbeit und Informationsfluss von Beginn an mitgestaltet.
Wer Onboarding neu denkt, muss deshalb nicht mit mehr Inhalten beginnen. Oft liegt der entscheidende Schritt darin, bewusst zu entscheiden, welche Erfahrungen am ersten Tag überhaupt entstehen sollen.
Wenn Sie Ihren Einführungstag ebenfalls als Erfahrungsraum für Zusammenarbeit und Organisationskultur gestalten möchten, sprechen Sie uns gerne an.
Sie möchten Veränderungsprozesse in Ihrer Organisation gemeinsam mit Ihren Führungskräften gestalten? Gerne begleiten wir dabei, passende Kommunikationsräume und -formate für Ihren Kontext zu entwickeln. Wir uns über einen Austausch .