Viele Organisationen erleben aktuell tiefgreifende Veränderungen. Entsprechend wächst in diesen Situationen die Erwartung an Führung, Orientierung zu geben und Veränderungen nachvollziehbar zu begleiten. Häufig entsteht das Gefühl, bereits sehr viel zu kommunizieren – über E-Mails, Intranet, Präsentationen oder Besprechungen. Trotzdem bleibt oft der Eindruck, dass wichtige Informationen nicht ankommen oder Veränderungen nur begrenzt Wirkung entfalten – immer wieder wird fehlende Transparenz und Klarheit bemängelt. Damit rückt weniger die Menge der Kommunikation in den Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Formen der Kommunikation Veränderung tatsächlich unterstützen.

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Ausgangspunkt dieser Podcast-Folge war eine Anfrage der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP). Für ein Seminar mit erfahrenen Schulleitungen suchten wir einen Zugang zum Thema Kommunikation in Veränderungsprozessen. Statt klassische Kommunikationsmodelle in den Mittelpunkt zu stellen, machten wir uns auf die Entdeckungsreise, welche Formen der Kommunikation Veränderung tatsächlich unterstützen.

Kommunikation braucht mehr als Information

Bereits zu Beginn des Seminars zeigte sich ein vertrautes Bild. Informationen werden über viele Kanäle bereitgestellt und dennoch entsteht immer wieder der Wunsch nach mehr Transparenz und besserer Kommunikation. Schnell wurde deutlich, dass es dabei häufig nicht um zusätzliche Informationen geht.

Im gemeinsamen Austausch verschob sich der Blick auf eine andere Frage: Wo entstehen überhaupt Räume, in denen Menschen ihre Perspektiven einbringen, Rückfragen stellen und gemeinsames Verständnis entwickeln können?

Gerade in Veränderungsprozessen treffen unterschiedliche Erwartungen, Erfahrungen und Bedürfnisse aufeinander. Solange diese im Hintergrund bleiben, wird Kommunikation schnell zur Einbahnstraße. Werden sie hingegen sichtbar, entsteht eine andere Grundlage für Zusammenarbeit und Entscheidungen.

Eine gemeinsame Orientierung

Um unterschiedliche Kommunikationsformen gemeinsam betrachten zu können, arbeiteten wir im Seminar mit der von uns entwickelten AVI-Matrix. Sie beschreibt Kommunikationsformate anhand zweier Dimensionen: dem Grad der Interaktion und dem Grad der Verbindlichkeit.

Das Modell bewertet einzelne Formate nicht, sondern hilft dabei, ihre jeweilige Funktion im Veränderungsprozess sichtbar zu machen. Eine Präsentation informiert. Eine Dienstanweisung schafft Verbindlichkeit. Ein Brainstorming eröffnet neue Perspektiven. Andere Formate verbinden beides und unterstützen dabei, gemeinsames Verständnis und tragfähige Entscheidungen zu entwickeln.

Im Verlauf der gemeinsamen Reflexion zeigte sich dabei ein interessanter Zusammenhang. Je stärker Beteiligung und nachhaltige Verbindlichkeit entstehen sollen, desto wichtiger wird die bewusste Gestaltung der sozialen Situation. Hohe Verbindlichkeit kann Entscheidungen zunächst absichern. Dauerhaft wirksam werden Veränderungen jedoch häufig erst dort, wo Menschen Gelegenheit hatten, die Entwicklung mitzugestalten und ein gemeinsames Verständnis aufzubauen.

Mit wachsender Interaktion steigt damit auch die Bedeutung des Spieldesigns. Kommunikationsräume entstehen nicht zufällig. Sie benötigen einen passenden Rahmen, klare Übergänge und Formate, die Austausch ermöglichen und Ergebnisse schrittweise verdichten.

Zusammenarbeit bewusst gestalten

Besonders spannend waren die Beispiele, die die Teilnehmenden selbst einbrachten. Kurze Austauschrunden vor Unterrichtsbeginn oder fest eingeplante Entwicklungstage waren häufig nicht als Kommunikationskonzept entstanden, sondern aus einem praktischen Bedarf heraus.

Erst in der gemeinsamen Reflexion wurde sichtbar, weshalb diese Formate Wirkung entfalten. Sie verbinden Information mit Austausch, ermöglichen schnelle Rückkopplungen und schaffen Orientierung im gemeinsamen Arbeiten. Kommunikation wird dadurch weniger als Sender-Empfänger-Prozess verstanden, sondern als kontinuierliche Abstimmung innerhalb des Systems.

Auch die eingesetzten Methoden wurden unter dieser Perspektive betrachtet. Im Mittelpunkt stand nicht ihre Durchführung, sondern die Frage, welche Interaktionsräume sie öffnen und wie aus vielen Perspektiven schrittweise gemeinsame Orientierung entstehen kann. Ideen werden gesammelt, verdichtet, erneut gespiegelt und weiterentwickelt. Nicht der einzelne Schritt erzeugt Verbindlichkeit, sondern das Zusammenspiel vieler kleiner Iterationen.

Führung gestaltet den Prozess

Ein wiederkehrendes Thema war die Rolle der Führungskraft. Viele erleben Veränderungsprozesse als zusätzliche Kommunikationsaufgabe und versuchen, durch noch mehr Informationen Orientierung zu schaffen. Die Reflexion im Seminar führte zu einer anderen Perspektive. Führung bedeutet nicht, jede Kommunikation selbst zu übernehmen. Entscheidend ist, Kommunikationsräume zu gestalten, in denen Austausch stattfinden kann, Ergebnisse zusammengeführt werden und das Kollektiv den nächsten Schritt gemeinsam vorbereitet.

Dadurch verändert sich auch der Informationsfluss in der Organisation. Ideen entstehen an unterschiedlichen Stellen, werden gemeinsam weiterentwickelt und immer wieder in das Gesamtsystem zurückgeführt. Führung gibt dafür Orientierung und schafft den Rahmen, in dem dieser Prozess stattfinden kann.

Die Wirkung entsteht dabei nicht durch mehr Kommunikation, sondern durch bewusst gestaltete Räume, in denen Kommunikation zu gemeinsamer Entwicklung werden kann.

Sie möchten Veränderungsprozesse in Ihrer Organisation gemeinsam mit Ihren Führungskräften gestalten? Gerne begleiten wir dabei, passende Kommunikationsräume und -formate für Ihren Kontext zu entwickeln. Wir uns über einen Austausch .

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