Vor einigen Wochen fiel in einem unserer digitalen Workshops ein Satz, der uns bis heute begleitet: „Wer hat denn jetzt schon wieder an dieser Wunderlampe gerubbelt?“ Gemeint war das unerwartete, jedoch situativ sehr passende Erscheinen von uns Facilitatoren. Wir waren gerade in einem digitalen Format mit mehreren Breakout-Gruppen unterwegs und betraten genau in dem Moment einen Raum, als dort eine wichtige Diskussion entstand. Die Gruppe hatte uns nicht gerufen. Trotzdem waren wir plötzlich da.
Für die Teilnehmenden wirkte das fast magisch – für uns war es vor allem ein Zeichen dafür, dass etwas anderes passiert war: Die Gruppe war vollständig in die Situation eingetaucht.

Wenn Entscheidungen Konsequenzen haben

Solche Momente erleben wir häufig, wollen das aber mal an zwei Formaten verdeutlichen.

Im Planspiel SysTeamsChange begleiten die Teilnehmenden eine Organisation durch einen Veränderungsprozess. Sie übernehmen die Rolle externer Change-Begleitender, treffen Entscheidungen und erleben unmittelbar deren Auswirkungen auf Menschen, Projekte und Organisation.

In The Learning Architects entsteht eine andere Form von Immersion. Hier entwickeln die Teilnehmenden über mehrere Wochen Konzepte für den Aufbau einer lernenden Netzwerkorganisation. Entscheidungen führen nicht direkt zu Ergebnissen, sondern bilden die Grundlage für neue Ideen, Konzepte und nächste Schritte.

Trotz ihrer Unterschiede haben beide Formate etwas gemeinsam: Die Teilnehmenden gestalten den Verlauf selbst. Dadurch wird aus einer vorgegebenen Geschichte ihre eigene Geschichte.

Lernen im Prozess statt Lernen über den Prozess

Spannend wird es dort, wo die Aufmerksamkeit von der Lösung auf den Weg dorthin wechselt.

In beiden Formaten beobachten wir regelmäßig, dass Gruppen beginnen, nicht mehr über Change, Zusammenarbeit oder Führung zu sprechen, sondern diese Themen tatsächlich zu erleben. Informationen fehlen. Perspektiven unterscheiden sich. Entscheidungen müssen trotzdem getroffen werden.

Genau dadurch entsteht etwas, das klassische Lernformate nur schwer erzeugen können: die Erfahrung eines Prozesses.

Die Frage lautet dann nicht mehr: „Was wäre die richtige Antwort?“, sondern: „Wie gehen wir als Gruppe mit dieser Situation um?“

Die Rolle des Facilitators

An dieser Stelle wird Facilitation wichtig. Unsere Aufgabe besteht selten darin, Antworten zu liefern. Viel häufiger beobachten wir Gruppen, hören zu und suchen nach den Momenten, in denen eine Frage hilfreich sein könnte. Manchmal reicht ein kurzer Perspektivwechsel. Manchmal geht es darum, Unsicherheit auszuhalten. Und manchmal darum, sichtbar zu machen, was die Gruppe gerade selbst erzeugt.

Gerade in digitalen Formaten entsteht dadurch häufig eine besondere Dynamik. Die Teilnehmenden arbeiten konzentriert in kleinen Teams, entwickeln gemeinsame Bilder und verlieren dabei erstaunlich schnell das Gefühl, sich in einem Lernsetting zu befinden.

Sichtbar machen, was entsteht

Ein weiterer Baustein ist die Visualisierung. In beiden Formaten entstehen über die Zeit große gemeinsame Arbeitsflächen. Sie dokumentieren nicht nur Ergebnisse, sondern machen Entwicklung sichtbar.

Besonders am Ende eines Formats entsteht oft ein interessanter Moment: Die Gruppe blickt auf ein Board voller Skizzen, Entscheidungen, Konzepte und Verbindungen und erkennt, wie viel davon sie selbst aufgebaut hat.

Nicht als Dokumentation eines Lerninhalts. Sondern als sichtbare Spur eines gemeinsamen Prozesse.

Wenn Sie sich für die Gestaltung immersiver Lernformate oder spielerischer Lernarchitekturen interessieren, freuen wir uns über den Austausch zu Erfahrungen, Konzepten und konkreten Anwendungsfeldern.

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