Der Alltag in vielen Organisationen: Mehrere Projekte laufen parallel, Verantwortung verteilt sich über mehrere Ebenen hinweg, Entscheidungen entstehen unter Zeitdruck und mit begrenzter Informationslage. Oft wirkt Zusammenarbeit stabil, bis Komplexität, Dauer und Abhängigkeiten spürbar zunehmen. Was braucht es an dieser Stelle für Führung und Zusammenarbeit an den verschiedenen Schnittstellen? Hierzu erreichte uns eine passende Anfrage, ein guter Anlass für eine neue Podcast-Folge.
Hintergrund der Anfrage war ein langfristiges Infrastrukturprogramm im Energiekontext. Gesucht wurde nach einem Rahmen, in dem Zusammenarbeit, Führung und Entscheidungsfindung nicht beschrieben, sondern gemeinsam erfahrbar werden. Nicht als Analyse von außen, sondern als gemeinsamer Blick auf das eigene Zusammenspiel. Und mit dem Ziel, auf der Ebene der Teilprojektleitungen auf Unvorhergesehenes vorbereitet zu sein und so gemeinsam ein neues Level zu erreichen.
Ein Erfahrungsraum, der Alltag verdichtet
Als Einstieg nutzten wir das Planspiel Grid unseres Kollegen Eric Treske von intrestik. Die Aufgabe besteht darin, bestehende Infrastruktur bei laufendem Betrieb zu erneuern und zugleich für zukünftige Anforderungen zu optimieren. Mehrere Teilprojekte, begrenzte Ressourcen und unterschiedliche Entscheidungsebenen wirken gleichzeitig und erzeugen einen Handlungsdruck, der dem organisationalen Alltag sehr nahekommt.
Bereits nach kurzer Zeit wurden typische Muster sichtbar. Nicht, weil sie benannt wurden, sondern weil sie sich im Tun zeigten.
Wenn Kommunikation nicht das eigentliche Thema ist
Austausch fand reichlich statt und dennoch entstand Irritation. Nicht fehlende Kommunikation war der Engpass, sondern Unklarheit darüber, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt, in welcher Form und für wen tatsächlich hilfreich sind. Zwischen dringendem Bedarf und unverbindlichem Wunsch lagen Unterschiede, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben, hier jedoch unmittelbare Auswirkungen hatten.
Im Spiel wurde deutlich, dass jede Rolle mit eigenen Erwartungen und inneren Erfolgskriterien agiert. Solange diese implizit bleiben, werden sie durch Annahmen ersetzt, die selten zueinander passen. Sobald diese Perspektiven sichtbar wurden, veränderte sich die Qualität der Abstimmung spürbar.
Reflexion als Teil des Spiels
Zwischen den Spielrunden entstanden bewusst gesetzte Unterbrechungen. Sie dienten nicht der operativen Feinjustierung, sondern dem gemeinsamen Blick auf das Zusammenspiel selbst. Diese Momente machten erfahrbar, wie ungewohnt es im Alltag geworden ist, gemeinsam auf die Metaebene zu wechseln.
Im Mittelpunkt standen Fragen danach, wo Abstimmungen entlasten, wo Missverständnisse entstehen und welche kleinen Anpassungen das Zusammenspiel verbessern könnten. Der Fokus verschob sich weg von einzelnen Aufgaben hin zur Art und Weise, wie Zusammenarbeit gestaltet wird.
Spielregeln im überschaubaren Rahmen verändern
Mit wachsender Klarheit wuchs auch die Bereitschaft, bestehende Spielregeln zu hinterfragen. Nicht als grundsätzliche Kritik, sondern als Einladung, an konkreten Stellen bewusst zu experimentieren. Ein zentrales Meetingformat wurde neu gedacht, zeitlich anders gesetzt und klarer ausgerichtet.
Auffällig war, wie leicht solche Ideen entstanden, sobald mit spielerischen Methoden über Spieldesign gesprochen wurde. Die gemeinsame Sprache eröffnete Handlungsspielräume, ohne zusätzliche Komplexität zu erzeugen. Veränderung wurde nicht delegiert, sondern als kollektive Gestaltungsaufgabe verstanden.
Führung als gemeinsame Aufgabe
Führung zeigte sich in diesem Prozess weniger als Rolle, sondern als Handlung. Sie wurde dort sichtbar, wo Beteiligte Räume für Klärung, Feedback und Ausrichtung öffneten. Nicht durch Vorgaben, sondern durch das bewusste Innehalten und das Gespräch über das Wie der Zusammenarbeit.
Diese Perspektive veränderte den Blick. Zusammenarbeit wurde nicht länger als etwas betrachtet, das von außen gestaltet wird, sondern als Prozess, den das Kollektiv selbst beeinflussen kann.
Eine leise Essenz
Wirksam wurde der Prozess durch das Zusammenspiel mehrerer Elemente. Das Planspiel verdichtete den Alltag und machte Muster, Spannungen und Dynamiken unmittelbar erlebbar. Kleine spielerische Interventionen halfen, diese Phänomene zu fokussieren und gemeinsam in Sprache zu bringen.
Entscheidend war dabei ist die professionelle, fragende Begleitung. Nicht mit Antworten, sondern mit gezielten Öffnungen, die Reflexion in Tiefe ermöglichten und Zusammenhänge sichtbar machten. Aus dieser gemeinsamen Betrachtung entstanden konkrete nächste Schritte, die sich direkt in den Alltag übertragen ließen.
Genau darin lag die Wirkung.
Sie suchen auch nach Möglichkeiten, mit Ihren Führungs-Team ein neues Level zu erreichen? Sprechen Sie uns gerne an.