Daniel und Sebastian berichten in dieser Folge von einem Leitbildentwicklungsprojekt, das sie begleitet haben. Ein Leitbild, das trägt, entsteht nicht durch zentrale Formulierung, sondern durch einen gemeinsamen Prozess. In der Abteilung eines Energieversorgers entwickelten über 60 Mitarbeitende über fast ein Jahr hinweg iterativ ein gemeinsames Zielbild, passende Formulierungen und konkrete Prinzipien der Zusammenarbeit. Spielerische Workshops und ein digitales Arbeitsboard machten Fortschritte sichtbar und ermöglichten breite Beteiligung. Das Ergebnis ist nicht nur ein abgeschlossenes Dokument, sondern eine lebendige Grundlage für kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung im Arbeitsalltag. Grundlage sind wie immer die Playristik© für die Gestaltung des Prozesses und die Playdaktik© für den Einsatz der passenden Methoden in den verschiedenen Phasen.

Wie aus Beteiligung Orientierung entsteht: Ein Leitbildprozess in Iterationen

Der Ausgangspunkt lag nicht in der Formulierung eines Leitbilds, sondern in einer offenen Frage zur Zusammenarbeit. In der Abteilung eines Schweizer Energieversorgers kamen rund 60 Personen zusammen, um zu erkunden, wie zukünftige Zusammenarbeit aussehen kann. Spielerische Formate eröffneten dabei einen Raum, in dem Transformation erlebbar wurde. Schnell zeigte sich, dass konkrete Lösungen noch zu früh kamen. Statt Prozesse zu definieren, rückte eine grundlegendere Frage in den Mittelpunkt: Wofür stehen wir eigentlich als Einheit, und wo wollen wir gemeinsam hin? Erst mit dieser Klärung entstand ein gemeinsamer Bezugspunkt, der Orientierung geben konnte.

Vom Zielbild zur eigenen Sprache

Der eigentliche Leitbildprozess begann mit der Arbeit an einem gemeinsamen Zielbild. In digitalen Workshops entstanden erste Missionssätze, die in mehreren Schleifen weiterentwickelt wurden. Entscheidend war dabei weniger die einzelne Formulierung als der Weg dorthin.

Auf einem gemeinsamen Arbeitsboard sammelten sich Gedanken, Varianten und neue Ansätze. Beiträge wurden ergänzt, verworfen und neu kombiniert. Zwischen den Workshops liefen weitere Abstimmungen in kleineren Gruppen. Mit der Zeit verdichteten sich die Inhalte. Was zunächst fragmentarisch wirkte, gewann schrittweise an Klarheit.

Auffällig war der Umgang mit Sprache. Formulierungen wurden nicht übernommen, sondern immer wieder angepasst, bis sie sich stimmig anfühlten. Auch externe Impulse dienten eher als Ausgangspunkt für eigene Varianten. So entstand ein Set an Aussagen, das nicht nur inhaltlich passte, sondern auch den Ton der Gruppe traf.

Iteration als tragendes Element

Der Prozess erstreckte sich über mehrere Monate und war von kontinuierlicher Beteiligung geprägt. Neue Personen kamen hinzu, andere setzten Impulse aus ihren Teams. Diese Offenheit führte dazu, dass sich die Inhalte nicht nur inhaltlich entwickelten, sondern sich gleichzeitig im System verankerten.

Die iterative Arbeitsweise machte Fortschritte sichtbar. Jede Version baute auf der vorherigen auf, ohne sie vollständig zu ersetzen. Dadurch entstand ein Gefühl von Entwicklung statt von Bruch. Entscheidungen wurden nicht einmalig getroffen, sondern in Etappen geschärft.

Parallel dazu blieb der Prozess anschlussfähig an die Gesamtorganisation. Das entstehende Leitbild musste sich in bestehende Rahmen einfügen und gleichzeitig eine eigene Identität entwickeln. Diese Balance wurde nicht vorab definiert, sondern im Verlauf immer wieder neu austariert.

Vom Begriff zur Orientierung

Ein prägender Moment entstand eher beiläufig. Im Ringen um die Frage, wie Zusammenarbeit konkret gestaltet werden soll, tauchte der Begriff „Booster“ auf. Er wurde aufgegriffen, weitergedacht und schließlich zum festen Bestandteil des Leitbilds.

In mehreren Schritten wurden mögliche „Booster“ gesammelt, diskutiert und reduziert. Zwischenstände wurden bewusst breit gespiegelt, auch anonym, um Einschätzungen aus der gesamten Gruppe einzubeziehen. Am Ende blieben wenige zentrale Elemente übrig, die Themen wie Kommunikation, Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung rahmten.

Diese Verdichtung war weniger ein Auswahlprozess als eine gemeinsame Verständigung darüber, was im Alltag tatsächlich tragen kann. Die gewählten Begriffe fungieren seitdem als Orientierungspunkte, an denen sich Zusammenarbeit ausrichten lässt.

Zusammenarbeit als gestalteter Prozess

Mit zunehmender Dauer verlagerte sich der Fokus. Neben den Inhalten rückte die Art der Zusammenarbeit selbst in den Blick. Wer bringt sich wann ein? Wie entstehen Entscheidungen? Welche Formate unterstützen den Austausch?

Der Prozess machte sichtbar, dass Beteiligung nicht nur ein Mittel zum Zweck ist. Indem viele Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingebunden waren, entstand eine gemeinsame Verantwortung für das Ergebnis. Beiträge wurden nicht delegiert, sondern eingebracht und weiterentwickelt.

Diese Form der Zusammenarbeit setzte voraus, dass Informationen zugänglich waren und Fortschritte transparent wurden. Das digitale Arbeitsboard spielte dabei eine zentrale Rolle. Es fungierte als gemeinsamer Referenzpunkt und machte Entwicklung für alle nachvollziehbar.

Ein Bild, das in Bewegung bleibt

Am Ende stand eine visuelle Verdichtung auf einer Seite. Missionssätze, zentrale Elemente der Zusammenarbeit und relevante Perspektiven wurden in einem Gesamtbild zusammengeführt. Es dient als Orientierung, ohne den Anspruch zu haben, vollständig zu sein.

Die Vorstellung des Leitbilds erfolgte im Rahmen eines gemeinsamen Events, das von Mitarbeitenden selbst gestaltet wurde. Damit wurde der Abschluss des Prozesses markiert, ohne ihn zu beenden.

Im weiteren Verlauf wird das Leitbild immer wieder aufgegriffen, reflektiert und weiterentwickelt. Es dient weniger als statisches Dokument, sondern als Bezugspunkt für konkrete Fragen im Alltag. Kleine Anpassungen und neue Erfahrungen fließen kontinuierlich ein.

So bleibt das Leitbild anschlussfähig – nicht als Ergebnis eines Projekts, sondern als Teil einer fortlaufenden Bewegung.

Wenn Sie ähnliche Prozesse in Ihrer Organisation gestalten oder reflektieren möchten, kann ein strukturierter, iterativer Rahmen dabei unterstützen, Beteiligung wirksam zu machen. Für weitere Informationen sprechen Sie uns gerne persönlich an.

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