Mitarbeitende sollen eigenständig entscheiden, suchen im Alltag aber häufig die Rückversicherung bei ihren Führungskräften. Dahinter steckt nicht zwangsläufig fehlender Mut. Oft fehlt ein gemeinsam verstandener Entscheidungsrahmen, der Orientierung gibt, ohne jeden Einzelfall zu regeln. In dieser Podcast-Folge beschäftigen sich Daniel und Sebastian damit, wie solche Rahmen entstehen, warum sie im Alltag immer wieder geschärft werden müssen und wie das Spiel Tricky Decisions diese Zusammenhänge erlebbar macht.
Zwischen unklaren Erwartungen und Detailsteuerung
In unserer Arbeit mit Führungskräften begegnet uns regelmäßig eine ähnliche Beobachtung: Mitarbeitende treffen Entscheidungen nicht selbst, obwohl sie fachlich dazu in der Lage wären. Stattdessen fragen sie nach oder warten auf eine Entscheidung von oben.
Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag macht das Spannungsfeld greifbar. Der Auftrag, schnell einkaufen zu gehen, lässt viele Fragen offen. Wird dagegen jeder Schritt vorgegeben, entsteht eine andere Schwierigkeit. Sobald ein Produkt nicht verfügbar ist oder eine unerwartete Situation eintritt, fehlen die Handlungsmöglichkeiten.
Beide Varianten helfen wenig. Entscheidend ist ein Rahmen, der Orientierung bietet und gleichzeitig genügend Spielraum lässt, um mit neuen Situationen umzugehen.
Ein Entscheidungsrahmen braucht gemeinsame Orientierung
Ein tragfähiger Entscheidungsrahmen beschreibt nicht, wie jede einzelne Entscheidung ausfallen muss. Vielmehr schafft er Klarheit über vier zentrale Aspekte:
- Ziel und Richtung: Worauf sollen Entscheidungen einzahlen?
- Handlungsspielraum: Innerhalb welcher Grenzen darf eigenständig entschieden werden?
- Prioritäten: Wie werden unterschiedliche oder widersprüchliche Kriterien gewichtet?
- Rückkopplung: Wann braucht es eine gemeinsame Entscheidung oder zusätzliche Abstimmung?
Wie wichtig diese Orientierung ist, haben wir bei einem unserer Business Lunches erlebt. Die Teilnehmenden übernahmen gedanklich die Rolle von Hotelmitarbeitenden am Empfang. Kundenorientierung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bildeten den vorgegebenen Rahmen. Anschließend mussten sie konkrete Gästewünsche beurteilen.
Obwohl die drei Werte bekannt waren, entstanden sehr unterschiedliche Entscheidungen. Je nach persönlicher Perspektive erhielt eines der Kriterien mehr Gewicht. Die abstrakten Werte allein boten noch keine ausreichende Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen.
Genau darin liegt eine wesentliche Führungsaufgabe: transparente Spielregeln schaffen, ohne jede Situation vorwegzunehmen.
Entscheidungsrahmen gemeinsam schärfen
Auch ein sorgfältig entwickelter Entscheidungsrahmen wird nicht jede Situation abdecken. Gerade unerwartete Fälle machen sichtbar, wo Orientierung fehlt oder bestehende Kriterien nicht ausreichen.
Deshalb verstehen wir Entscheidungsrahmen nicht als einmalige Festlegung, sondern als etwas, das sich im gemeinsamen Alltag weiterentwickelt. Einzelne Entscheidungen bieten Anlässe, den Rahmen zu überprüfen und gezielt anzupassen.
Dabei verändert sich auch der Blick auf vermeintliche Fehlentscheidungen. Statt ausschließlich darüber zu sprechen, wer falsch entschieden hat, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen, unter denen die Entscheidung entstanden ist.
Diese gemeinsame Reflexion schafft eine andere Form der Zusammenarbeit. Führungskräfte und Mitarbeitende können klären, welche Informationen gefehlt haben, wo Kriterien unterschiedlich verstanden wurden und welche kleinen Anpassungen künftig helfen.
Es geht nicht darum, einen perfekten Rahmen zu entwickeln. Er soll im Großteil der Alltagssituationen tragen und dort weiterentwickelt werden, wo neue Anforderungen entstehen.
Tricky Decisions: Entscheidungsfindung erlebbar machen
Aus unserer Beschäftigung mit diesen Fragen ist das Spiel Tricky Decisions entstanden. Es verdichtet das Zusammenspiel zwischen strategischen Vorgaben und operativen Entscheidungen auf etwa 20 bis 30 Minuten.
Im Spiel bewegen sich die Teilnehmenden gedanklich auf dem Stuttgarter Wasen. Ihre Aufgabe besteht darin, aus Luftballonkarten drei Ballontrauben zusammenzustellen, die unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen.
Zunächst entwickelt die Gruppe einen gemeinsamen Entscheidungsrahmen, ohne die später verfügbaren Karten zu kennen. Anschließend entscheidet jede Person eigenständig, welcher Ballon zu welcher Traube passt. Eine weitere Abstimmung ist nicht mehr möglich.
Am Ende wird sichtbar, wie tragfähig die gemeinsam vereinbarten Regeln tatsächlich waren. In weiteren Runden verändern sich die Anforderungen. Die Gruppe kann ihren Entscheidungsrahmen reflektieren und anpassen.
Besonders interessant wird die Auswertung dort, wo einzelne Entscheidungen nicht zum gewünschten Gesamtergebnis passen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann weniger auf die handelnde Person als auf das gemeinsame Spieldesign.
Vom Spielerlebnis in den Führungsalltag
Tricky Decisions eröffnet einen kompakten Erfahrungsraum, in dem Führungskräfte und Teams beide Perspektiven unmittelbar erleben: einen Rahmen gestalten und anschließend innerhalb dieses Rahmens entscheiden.
Die Erfahrungen aus dem Spiel lassen sich auf den Arbeitsalltag übertragen. Dabei entsteht Raum für eine gemeinsame Betrachtung der eigenen Entscheidungswege und der dahinterliegenden Regeln.
Eigenständige Entscheidungen werden so nicht allein zur Frage individueller Fähigkeiten. Sie entstehen im Zusammenspiel von Orientierung, Handlungsspielraum und einer gemeinsamen Bereitschaft, bestehende Regeln weiterzuentwickeln.
Weitere Informationen zu Tricky Decisions finden Sie hier. Wenn Sie Entscheidungsfindung in Ihrem Team oder Führungskreis gemeinsam reflektieren möchten, sprechen Sie uns gerne an.