Wie lässt sich eine klassische Messebühne in einen interaktiven Spielraum verwandeln? Auf der SPIEL Essen 2026 haben wir mit Crazy Gathering ein neues Format ausprobiert, bei dem das Publikum selbst aktiv wurde. Im Podcast reflektieren wir, welche Herausforderungen dabei für die Facilitation entstanden sind und warum klare Rollen, bewusste Übergänge und Pop-Up-Spieltische neue Möglichkeiten eröffnen.
Eine Messebühne wird zum Spielraum
Auch in diesem Jahr waren wir auf der SPIEL Essen zu Gast. Gemeinsam mit dem Team der SPIEL hatten wir die Gelegenheit, auf der Eventbühne in Halle 4 ein neues Format auszuprobieren. Statt wie gewohnt über Spiele, ihre Mechaniken und Anwendungsmöglichkeiten zu sprechen, wollten wir das Publikum unmittelbar ins Spielen bringen.
Die Rahmenbedingungen waren anspruchsvoll. Vor der großen Bühne befanden sich Sitzpolster und mehrere Reihen klassischer Kinobestuhlung. Wie viele Menschen zur Mittagszeit vor Ort sein würden und wer bereit wäre, seine Pause für ein gemeinsames Spielerlebnis zu unterbrechen, war nicht absehbar.
Mit Crazy Gathering hatten wir ein passendes Spiel dabei. Acht Personen müssen gemeinsam eine Sitzordnung finden, bei der möglichst alle ihre individuellen Anforderungen erfüllen können. Dabei werden unterschiedliche Interessen, Kommunikation und Aushandlungsprozesse unmittelbar erlebbar.
Auf der Bühne richteten wir einen sogenannten Featured Table ein, dessen Spielverlauf über Kameras für das Publikum sichtbar wurde. Gleichzeitig entstanden vor der Bühne weitere Spielgruppen. Unterstützt wurden wir dabei von Kolleginnen und Kollegen aus unserem Netzwerk, die das Spielen in der Fläche begleiteten.
Vier Formate gleichzeitig begleiten
Was in der Vorbereitung eher wie ein anspruchsvoller interaktiver Bühnenbeitrag erschien, entwickelte sich während der Durchführung zu vier parallelen Formaten.
Am Featured Table spielten acht Personen, die unmittelbar begleitet werden mussten. Die Spielgruppen vor der Bühne waren intensiv mit ihrem eigenen Spielerlebnis beschäftigt. Dahinter saß ein Publikum, das den Geschehnissen folgen und die Zusammenhänge verstehen wollte. Hinzu kamen die Menschen im Livestream, für die das Technikteam die verschiedenen Perspektiven zusammenführte.
Diese vier Erlebnisräume hatten unterschiedliche Anforderungen. Während die Spielgruppen ihre eigenen Dynamiken entwickelten, brauchten die Zuschauenden eine verständliche Einordnung. Gleichzeitig sollte der inhaltliche rote Faden erhalten bleiben.
Wir hatten die Komplexität dieses Zusammenspiels anders und auch irgendwie einfacher vorgestellt. Obwohl wir regelmäßig mit großen Gruppen arbeiten, stellte uns die Moderation dieses Formats vor neue Herausforderungen und brachte uns beim diesem ersten Mal auch an unsere Grenzen.
Interessant war dabei die unterschiedliche Wahrnehmung. Während wir selbst den Auftritt eher durchwachsen bewerteten, erlebten viele Menschen vor Ort und im Livestream die Veranstaltung als deutlich strukturierter und runder.
Klare Rollen und bewusste Übergänge
Eine zentrale Erkenntnis betraf unsere eigene Zusammenarbeit. Ursprünglich hatten wir vorgesehen, flexibel zwischen Bühne und Spielfläche zu wechseln. Bereits in den ersten Minuten mussten wir diese Aufteilung verändern.
Sebastian übernahm die Begleitung des Featured Table, während Daniel den inhaltlichen Verlauf moderierte und versuchte, die verschiedenen Spielräume miteinander zu verbinden.
Was uns dabei fehlte, war die gewohnte Abstimmung untereinander. In Workshops können wir häufig durch kurze Gespräche oder nonverbale Signale reagieren. Auf einer großen Bühne mit Mikrofonen, Kameras und parallelen Aktivitäten war das kaum möglich.
Die Rollen sind beim nächsten Mal daher klarer zu trennen: Eine Person begleitet die Spielerlebnisse und macht interessante Situationen sichtbar. Die andere übernimmt die inhaltliche Einordnung für das Publikum.
Ebenso wichtig erscheint uns eine bewusstere zeitliche Gestaltung. Wer intensiv spielt, kann nicht gleichzeitig den Erläuterungen auf der Bühne folgen. Eine gemeinsame Unterbrechung nach der Spielphase ist wichtig, um die Aufmerksamkeit wieder zusammenzuführen und das Erlebte gemeinsam zu reflektieren.
Auch die anschließende Live-Umfrage zeigte, wie hilfreich eine zusätzliche Person in der Regie gewesen wäre, um Beiträge zu sortieren und relevante Impulse für die Moderation aufzubereiten.
Pop-Up-Spieltische als Formatidee
Während der Veranstaltung entstand ein Begriff, der für uns das Potenzial dieses Experiments gut beschreibt: Pop-Up-Spieltische.
Die Gruppen vor der Bühne nutzten einfache Sitzpolster als improvisierte Spieltische. Wenig Material, eine kurze Einführung und die Begleitung durch erfahrene Personen reichten aus, um mitten in einer Messehalle gemeinsame Spielerlebnisse auch nur für eine kurze Zeit zu ermöglichen.
Gerade für Veranstaltungen mit wechselndem Publikum wie auf Messen eröffnet das eine interessante Perspektive. Statt ausschließlich über Spiele, Lernen oder soziale Phänomene zu sprechen, könnten solche Formate kleine Erfahrungsräume schaffen.
Wäre es nicht attraktiv, wenn beispielsweise auf der Bühne der SPIEL in Essen in den kommenden Jahren mehr solcher Spielräume entstehen würden, in denen das Publikum nicht nur zuschaut, sondern selbst Teil des Geschehens wird?
Sie sind gerade selbst an der Konzeption einer größeren Veranstaltung und wünschen sich mehr Interaktion? Wir freuen uns auf einen Austausch.